Literaturhinweise zur Thidrekssaga

Seit dem 17. Jahrhundert ist die Thidrekssaga Gegenstand des wissenschaftlichen und publizistischen Interesses. Begonnen hat es mit Übersetzungen und Übersetzungsversuchen der Thidrekssaga. Zunächst standen Textübersetzungen im Vordergrund des Interesses, begünstigt durch die Bestrebungen des schwedischen Götizismus'. Die Germanistik und Nordistik bemächtigte sich im 19. Jahrhundert des Stoffe, wenn auch im 'Windschatten' des Nibelungenliedes. Seitdem gibt es eine schier unübersehbare Flut von Veröffentlichungen zu diesem Thema. Mit folgender Übersicht wird daher auch keine Vollständigkeit angestrebt, wohl aber ein repräsentativer Querschnitt.


Übersetzungen

  • 1630: Johannes Bureus (†1668), Teilübersetzungen der Þiðriks saga af Bern (Membrane, Teil mit Vilkinasage), erhalten in Papp. 4° nr 54.
  • 1672: Johann Axehiälm führt die Arbeit Bureus’ fort, zur Schließung der Lücken des Pergamentes (Mb) werden auch die altschwedischen Übersetzungen (Svava) miteinbezogen, der gesamter Text der Membrane wird übersetzt (Papp. 4° nr 53., Cod. Ups. R: 705., nr 78.); Manuskripterstellung unter der Regie von Axehiälm aus Perg. fol. nr 4. (Mb), die Summe seiner Übersetzungen in (Papp. fol. nr 28. [I]). Auch der IsländerJón Jónsson war an der Übersetzung beteiligt. Das Skript wurde 1672 abgeschlossen, kein Druck wegen mangelhafter Übersetzung.
  • Anfang 80-er Jahre 17. Jh.: G. Ólafsson erstellte ein Manuskript, das fast die komplette Saga enthält und sich hauptsächlich aus den Texten von Jón Eggertssons isländischem Manuskript* und dem altnorwegischen Pergament zusammensetzt (Papp. 4° nr 37.), da Eggertssons Manuskript ein Fragment war, ergaben beide Fassungen noch keinen vollständigen Text, es fehlte noch immer ein Teil des Originaltextes vom Ende der Saga. Dieses wurde von G. Ólafsson ergänzt, teilweise unter Hilfe des altschwedischen Textes von Axehiälm, der Text war somit zwar vollständig, aber kein Originalzustand. - *) Diese Hs (auch C genannt) im Codex  ‚Papp. fol. nr 100.’, 1682 in Kopenhagen, über Jón Eggertsson an den Schweden Sparfwenfeld gekommen. Der Teil Þiðrikssaga af Bern geht auf ein fragmentarisches Manuskript von Jón Eggertsson zurück, das er in Kopenhagen von der Austfjarðabók abschrieb, das Ende fehlt, entstanden ist es in Schweden. Die in Schweden entstandene Abschrift wurde mit dem Text aus Perg. fol. nr 4. ergänzt und von einem Isländer in schwedischen Diensten angefertig.
  • Ende 80er jahre des 17. Jh: Johann Hadorph Junior fertigte neue Übersetzung auf der Grundlage von G. Ólafsson an(Papp. 4° nr 36.), die nicht mit der von Johann Axehiälm identisch ist, die er zusammen mit G. Ólafssons Originaltext veröffentlichen wollte (Papp. fol. nr 28. [II]). Wurde wegen des Streits zwischen ihm und Axehiälm um das Recht der Veröffentlichung nicht ausgeführt, beide Kontrahenten starben vor Beendigung des Streites.
  • 1715: Johan Peringskiöld übersetzt die Þiðriks saga af Bern (Membrane) und bringt einen Folioexemplar in Stockholm heraus mit dem Titel: „Wilkina Saga / Eller Historien Om Konung Thiderich af Bern Och hans Kämpar* (1715); sie beinhaltet im Wesentlichen. G. Ólafssons Originaltext und Johann Hadorphs schwedische Übersetzung. Eine lateinische Übersetzung wird von Peringskiöld ebenfalls angefertigt.- *) samt Niflunga Sagan; Innehållandes några Göthiska Konungars och Hieltars forna Bedrifter i Ryszland / Polen / Ungern / Italien / Burgundien och Spanien / etc. (Stockholm 1715).

Moderne Textausgaben

  • 1853: Unger, C. R. (udg.): Saga Ðiðriks konungs af Bern. Fortalling om kung Thidrik af Bern og hans kæmper, i norsk bearbeidelse fra det 13 de aarhundrede efter tydske skilder. Udgivet af C. R. Unger (Christiania, 1853)
  • 1850-1854: Hyltén-Cavallius, Gunnar Olof (utg.): Sagan om Didrik af Bern efter svenska handskrifter (Didrikskrönikan) (Stockholm 1850-1854) (= Samlingar utgivna af Svenska fornskrift-sällskapet, häfte 14/15, 22); enthält den Text von Svava A und abweichende Lesarten von Svava B.
  • 1880: Bertelsen, Henrik (udg.): Þiðriks saga af Bern (Københaven 1905 -1911). (=Skrifter udgivet af Samfund til udgivelse af gammel nordisk litteratur (Kopenhagen, 1880 ff); Text der Membrane sowie die Varianten der isländischen Handschriften A und B.

Übersetzungen ins Deutsche

  • 1815: von der Hagen, Friedrich H.: Die Thidrekssaga oder Didrik von Bern und die Niflungen. Neu herausgegeben in der Übersetzung von Friedrich von der Hagen ( 2. Ausg.1855) und mit Anmerkungen versehen von Heinz Ritter-Schaumburg (im Wesentlichen Text der Membrane) (St. Goar o. J. [1989]. F. v. d. Hagen übertrug die „Urschrift nach Perinkskiöld nach einer Pergamenthandschrift des 14. Jahrhunderts [sic! statt 13. Jh.] zu Stockholm, 1725 [sic! statt 1715]“ (aus dem Vorwort F. H. v. d. Hagen, 1814).
  • 1858: Raszmann, August: Die deutsche Heldensage und ihre Heimat. I. Band : Die Sage von den Wölsungen in der Edda und die Wölsungensaga; II. Band: König Thidrek von Bern in der Thidrekssaga (Hannover 1858).
  • 1923: Niedner, Felix (Hrsg.): Die Thidrekssaga (Die Geschichte von Dietrich von Bern). Übertragen von Fine Eriksen. Jena 1923 (=Thule Bd. XXII).
  • 1989: Ritter (Schaumburg) Heinz: „Die Didriks-Chronik, Didrik von Bern und die Niflungen“. Übersetz nach dem Text von Hyltén-Cavallius (Didrikskrönikan, Sagan om Didrik af Bern, 1850) und mit Anmerkungen und Erläuterungen versehen, von Heinz Ritter Schaumburg „Svava“ genannt ( St. Goar 1989).
  • 2009: Hube, Hans Jürgen: Thidreks Saga (Neu-Übersetzung, 2009)

Literatur zur Thidrekssaga

  • 1970: Henning, Bengt: Didrikskrönikan. Handskriftsrelationer, översättningsteknik och stildrag. In Acta Universitatis Stockholmiensis, Stockholm Studies in Scandinavien Philology, new series 8 (Stockholm 1970), Hennings Arbeit beruht auf den Ausgaben von Perinkskiöld.
  • 1986: Wisniewski, Roswitha: Mittelalterliche Dietrichdichtung (1986)
  • 1992: Reichert, Hermann: Heldensage und Rekonstruktion. Untersuchugen zur Thidrekssaga; in: Philologia Germanica 14 (1992.
  • 1999: Heinzle, Joachim: Einführung in die mittelhochdeutsche Dietrichsepik (1999)
  • 2002: Kramarz-Bein, Susanne: Die þiđreks saga im Kontext der altnorwegischen Literatur; in: Beiträge zur Nordischen Philologie, Bd. 33 (Tübingen und Basel 2002).
  • 2002 Busch, Kay: Grossmachtstatus und Sagainterpretation - die schwedischen Vorzeitsagaeditionen des 17. und 18. Jahrhunderts (Dissertation, 2002).

Übersichten zu Literatur und Sagen

  • 1889: Grimm, Wilhelm: Die Deutsche Heldensage, 2. Bände (1889/1999).
  • 2008: Lienert, Elisabeth: Dietrich-Testimonien des 6. Bis 16. Jahrhunderts (2008)
  • 2012: Florian Kragl (Hrsg.): Nibelungenlied und Nibelungensage. Kommentierte Bibliographie 1945-2010 (2012).

Sekundärliteratur, Deutungen der Thidrekssaga

  • 1981: Böckmann, Walter: Der Nibelungen Tod in Soest (1981).
  • 1981: Ritter (Schaumburg), Heinz: Die Nibelungen zogen nordwärt  (1981).
  • 1982: Ritter (Schaumburg), Heinz: Dietrich von Bern – König zu Bonn (1982).
  • 1986: Jung, Ernst, F.: Der Nibelungen Zug durchs Bergische Land. Bakalar und die Grafen von Berg im neuen Licht der Thidrekssaga (1986).
  • 1990: Ritter (Schaumburg), Heinz: Siegfried ohne Tarnkappe (1990).
  • 1994: Hartung, Hans Rolf: Soest in der Sage (1994)
  • 1995: Schmoeckel, Reinhard: Deutsche Sagenhelden und die historische Wirklichkeit. Zwei Jahrhunderte deutscher Frühgeschichte neu gesehen (1995).
  • 1999: Ritter (Schaumburg), Heinz (posthum): Der Schmied Weland (1999).
  • 1999: Schmich, Otto Klaus: Hünen. Die Entdeckung eines vergessenen deutschen Stammvolkes (1999).
  • 1998: Koneckis, Ralf (Hrsg.): Geheimnisvolles Soest (1998).
  • 2000: Rass, Wim S.-W.: Dietrich von Bern und Karl der Große. Untersuchung über die Zeitstruktur der nordischen Dietrich-Sage und die karolingische Sagen-Manipulation. Ein Beitrag zur Sagengenese,Band 1 (BoD, 2000).
  • 2007: Rass, Wim S.-W.: Dietrich von Bern und Karl der Große. Vergleich der Interakrtionsstrukturen in der Thidrekssaga und in der Historiografie des Frühmittelalters. Ein Beitrag zur Sagenevolution in oraler Zeit, Band 1, (BoD, 2007).
  • 2001: Schmich, Otto Klaus: Datei Mythen (2001).
  • 2002: Forschungen zur Thidrekssaga, Band 1 (Hrsg. Thidrekssaga-Forum eV): Ein Niflungenreich in der Voreifel ? Heinz Ritter u. zahlreiche neuere Forscher geben Antwort (BoD, 2002).
  • 2003: Schmich, Otto Klaus: Datei Mythen - Ergänzungsband (2003).
  • 2003: Lönnendonker, Norbert: Als die Götter noch jung waren, Namenkundliche Untersuchungen zur Nibelungensage (2003).
  • 2004: Haefs, Hanswilhelm: Forschungen zur Thidrekssaga, Band 2 (Hrsg. Thidrekssaga-Forum e.V.): Thidrekssaga und Nibelungenlied. Vergleichende Studien (BoD, 2004).
  • 2005: Badenhausen, Rolf: Die Nibelungen: Dichtung und Wahrheit (2005).
  • 2006: Bauch, Mario: Wer waren die Nibelungen wirklich? Die historischen Hintergründe der germanischen Heldensagen (2006).
  • 2006: Böseke, Harry: Sagenhafte Irrtümer (2006).
    2006: Forschungen zur Thidrekssaga, Band 3 (Hrsg. Thidrekssaga-Forum e.V.): Die Wilkinensage. Schlüssel zur unbekannten Frühgeschichte der Niederlande und Belgiens ? (BoD, 2006).
  • 2007: Forschungen zur Thidrekssaga, Band 4 (Hrsg. Thidrekssaga-Forum e.V.): Das Rätsel von Mündt/Mundiacum und St. Irmundu (BoD, 2007).
  • 2007: Badenhausen, Rolf: Sage und Wirklichkeit (2007).
  • 2008: Rass, Wim S.-W.: Dietrich von Bern und Karl der Große, Band 2 (BoD, 2008).
  • 2009: Forschungen zur Thidrekssaga, Band 5 (Hrsg. R. Schmoeckel): König Chlodwig war kein Franke. Frankreichs und Deutschlands sarmatische Wurzeln (2009).
  • 2010: Forschungen zur Thidrekssaga, Band 6 (Hrsg. Dietrich von Bern-Forum): Zum Werdegang der Thidrekssaga: Neue Untersuchungen zur mündlichen und schriftlichen Überlieferung(2010).
  • 2010: Gerhard Reschreiter, Diplomarbeit: Die Þiðreks saga af Bern als montierter Text (Wien 2010)
  • 2011: Ehlers, Kai (Hg.): Attil und Krimkilte. Das tschuwaschische Epos zum Sagenkreis der Nibelungen (2011).
  • 2012: Oostebrink, E. W: De Hunenslag bij Groningen. Die Hunen-schlacht bei Groningen (Delft, 2012).
  • 2016: Forschungen zur Thidrekssaga, Band 7 (Hrsg. Dietrich von Bern-Forum): Hunnen und Hunen, Burgunder und Nibelungen. Im Spannungsfeld von Sage und Geschichte.
  • 2016: Forschungen zur Thidrekssaga, Band 8 (Hrsg. Dietrich von Bern-Forum): Einblicke in die Frühzeit der Eisenverarbeitung. Sagen als „Fundorte“.

Periodikum

  • DER BERNER. Neues über die Völkerwanderungszeit am Niederrhein; vierteljährliche Mitteilungsschrift des Dietrich von Bern-Forum. Verein für Heldensage e. V. (bis 2009 Thidrekssaga-Forum e.V) ISSN 1610-8191, Hefte 1, Nov. 2000 ff.

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