Thidrekssaga und Svava

Hand und Druckschriften

Die Thidrekssaga, auch bekannt unter den Namen Wilkinensage und Dietriks-Chronik, ist ein Sagen-Kompendium, oder wie andere meinen, ein Sagen-Kompilation, die wohlgeordnet zusammengestellt ist und für sich ein Ganzes bildet. Sie enthält den Stoff des Nibelungenliedes und von Siegfried dem Drachentöter, die Geschichten von Wieland dem Schmied, den Wilkinen und von Attala dem Hunenkönig; aber hauptsächlich von Dietrich von Bern, seinen Vorfahren und Verwandten, von seinen Jugendabenteuern, von seiner Vertreibung aus seinem Reich um die Stadt Bern, seinem Exil bei Attala, seiner Rückkehr in sein Reich und schließlich von seinem Ende. Verbunden damit sind viele Einzelgeschichten, wie von Drachen- und Riesenkämpfen, Brautwerbungen und Brautraub, dem Untergang der Harlunge, von Walter von Woskastein und Hildegunt, und vieles mehr; manches davon wird im burlesken Stil mittelalterlicher Spielmannsdichtung erzählt.

Die Thidrekssaga liegt in mehreren Schriftversionen vor

  • Im engeren Sinne entspricht ‚Thidrekssaga‘ (abgekürzt Ths) dem Text der sog. Membrane (abgekürzt Mb), eine Pergamentschrift aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, die in Altnorwegisch gefasst ist, entstanden vermutlich in Bergen.
  • Eine weitere Version ist besteht in der altschwedischen Handschrift aus dem 15. Jahrhundert, die mit Sv abgekürzt ist und griffig mit Svava bezeichnet wird, auch wenn vermutlich Svensk (Schwedisch) damit gemeint ist.
  • In Island entstanden  im 17. Jahrhundert zwei Handschriften, deren Originale im Kopenhagener Stadtbrand 1728 vernichtet wurden; aber es gibt sehr gute Abschriften davon, die Handschrift A und eine weitere Version die Handschrift B (abgekürzt: Is Hs A und Is Hs B).
  • Darüber hinaus gibt es noch die schwedisch/isländische  Handschrift C und weitere Fragmente.

Der Stoff dieser Handschriften wird in ihrer Gesamtheit ‚Thidrekssaga‘ genannt, ein Sprachgebrauch, der sich im Dietrich von Bern-Forum durchgesetzt hat.

Die aufgeführten  Handschriften erzählen den Stoff etwa in der gleichen Weise aber mit unterschiedlichem Umfang. Die wichtigen Handschriften Mb und Sv sind nicht vollständig erhalten, teilweise fehlen ganze Blätter oder sind beschädigt (sog. Lakunen), besonders Mb ist hier von betroffen; ergänzt werden die Lücken in modernen Ausgaben der Ths, je nachdem, durch Texte aus Sv, Mb oder aus Is Hs A bzw. B.

Neuzeitliche Drucke und Übersetzungen der Thidrekssaga

Dem neuzeitlichen Interesse an den Heldensagen der Vorzeit verdanken wir die ersten Drucke der Thidrekssaga. Hier ist in erster Linie Johan Peringskiöld zu nennen, er editierte und übersetzte 1715 in Schweden (Stockholm) den Text der „Wilkina Saga“ (=„Þiðriks saga“, Text aus der Membrane) auf Vorarbeit anderer ins Schwedische und Lateinische. Es folgen 1853 C. R. Unger mit „Saga Ðiðriks konungs af Bern“ (Text aus der Membrane) und Gunnar Olof Hyltén-Cavallius mit ”Sagan om Didrik af Bern efter svenska handskrifter” (1850-1854) (=Didrikskrönikan, Text aus der schwedischen Handschrift Svava). Eine Ausgabe, die modernen Ansprüchen genügt und bis heute Standard der Forschung ist, besorgte Henrik Bertelsen (udg.): ”Þiðriks saga af Bern”. (Københaven 1905 -1911), Text aus der Membrane sowie die Varianten der isländische Handschriften A und B.

Übersetzungen der Thidrekssaga ins Deutsche erfolgten erstmals durch Friedrich Heinrich von der Hagen: „Die Thidrekssaga, oder Dietrich von Bern und die Niflungen“ (ab 1814), neu aufgelegt und kommentiert von Heinz-Ritter-Schaumburg im Verlag Reichel (1989, nach der Ausgabe von 1855). – August Raszmann: ”Die deutsche Heldensage und ihre Heimat”, (1856 und 2. Ausgabe 1863, hier der 2. Band; Nachdruck der Ausgabe von 1856 im Verlag Salzwasser, 2013, mit vielen Anmerkungen und Verweisen). – Übertragung des Textes der Thidrekssaga von Fine Erichsen in der Reihe Thule (Bd. 22) mit dem Titel: „Die Geschichte Thidreks von Bern“ (1924). – Heinz Ritter-Schaumburg veröffentlichte im Reichel-Verlag die einzige Übersetzung des altschwedischen Textes der Thidrekssaga (Svava) ins Deutsche: „Die Didriks-Chronik oder die Svava“ mit umfangreichen Nachwort und Erläuterungen. – Hans-Jürgen Hube hat die „Thidreks Saga: Die nordische Dietrich- und Nibelungensage“ (2008) im Marix Verlag mit einem umfangreichen Nachwort herausgegeben.

Zur nächsten Seite