Was sind die „Deutschen Heldensagen“ und was sagen sie uns ?

Laut einem Lexikoneintrag handelt es sich dabei um „stilisierte Geschichtsüberlieferung“ oder „Vorzeitkunde“ aus einer Zeit, da die Menschen noch nicht schreiben konnten. Solche Sagen sind von verschiedenen Völkern überliefert.

Die „Deutschen Heldensagen“ berichten von einem König Dietrich von Bern, von zahlreichen Abenteuern, die er erlebt haben soll, aber auch um die berühmten Nibelungen und um Siegfried den Drachentöter.

Sollte darin tatsächlich eine „stilisierte Geschichtsüberlieferung“ stecken? Wenigstens also Andeutungen über reale Geschichte aus jener Vorzeit und betreffenden Gegend, oder vielleicht sogar mehr ? Nach bisheriger Überzeugung kannte diese Zeit keinerlei schriftliche Quellen, wie können wir davon wissen ?

Erstaunlicherweise gibt es umfangreiche schriftliche Text dazu, jedoch aus einer späteren Zeit, allerdings nur in Manuskripten in nordischer (altnorwegischer und altisländischer) sowie in altschwedischer Sprache aus dem 13. - 15. Jahrhundert, die sogenannte „Thidrekssaga“ und die „Svava“ („Thidrekssaga“ und „Svava“). Sie sind inzwischen durch mehrere Übersetzungen auch in deutscher Sprache zugänglich (siehe auch "Literaturhinweise zur Thidrekssaga").

Doch trotz des nordischen Sprachgewandes handelt es sich nicht um „Nordlandsagen“, sondern um Erzählungen aus dem noch nicht christianisierten Germanien, d. h. aus dem heutigen West- und Norddeutschland, ab dem 4. Jahrhundert n. Chr. bis etwa zur Zeit Karls des Großen.

Alle früheren Manuskripte in niederdeutscher, dänischer und nordischer Sprache, die existiert haben müssen, sind offenbar unwiederbringlich verloren.

Die Texte, die erst ab der Mitte des 13. Jahrhunderts schriftlich festgehalten wurden, waren davor über viele Jahrhunderte mündlich von Generation zu Generation von zumeist germanischen Gefolgschaftssängern, den Skops, überliefert.

Seit dem frühen 19. Jahrhundert haben diese Texte großes Interesse bei den  Skandinavisten und vor allem bei den deutschen Germanisten gefunden, allerdings haben diese fast ausschließlich „Dichtung“ oder „Literatur“ darin gesehen und die Möglichkeit historischer Spuren darin vernachlässigt oder falsch interpretiert. In den letzten Jahrzehnten ist an den Universitäten in Deutschland das Interesse an den historischen Inhalten dieses Stoffs, so gut wie erloschen. Historiker (Geschichtswissenschaftler) selbst haben diese Texte kaum je beachtet.

Dabei sind die Texte die einzige umfangreiche Überlieferung aus dem Frühmittelalter in Deutschland, die  nicht  durch Übersetzung ins Lateinische vom Christentum beeinflusst wurden.

Sie erlauben daher einen unschätzbar wichtigen Blick in das Denken und Handeln von Menschen in Deutschland  v o r   dem Einzug des Christentums.  Das war die Zeit, in der sich allmählich das „deutsche Volk“ in Mitteleuropa bildete. Allein deshalb lohnt sich schon jede Mühe zu ihrer Erforschung.

Das Interesse an diesen Texten hat seit einigen Jahrzehnten der Sagenforscher Heinz Ritter-Schaumburg wieder erweckt, und zwar fast ausschließlich bei privaten, nicht akademischen Forschern.

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